Kaum eine Zivilisation hat die Welt so beständig geprägt und dabei so konsequent sie selbst geblieben. Fünftausend Jahre lang war das iranische Hochland — jenes hohe, trockene Viereck zwischen Kaspischem Meer, Persischem Golf, Hindukusch und Tigris — Schöpfer und Neugestalter von Reichen, Religionen, Wissenschaften und Künsten. Das Wort Paradies selbst entstammt dem altpersischen pairi-daeza, dem ummauerten Garten eines Königs. Das Wort Algorithmus leitet sich von al-Chwarizmi ab, dem Mathematiker des 9. Jahrhunderts aus Chorasm. Die Schachfigur, die wir Turm nennen, ist das persische rokh; das Spiel selbst, im sassanidischen Iran verfeinert, hieß chatrang, bevor es zu Schach wurde.
Die iranische Zivilisation ist außergewöhnlich nicht nur in ihrer Langlebigkeit, sondern auch in ihrer Kontinuität. Dasselbe Hochland, das die proto-elamitischen Schreiber von Susa um 3200 v. Chr. hervorbrachte, war dreitausend Jahre später die Kernregion des Reiches Kyros' des Großen — der ersten politischen Einheit der Geschichte, die Menschen dutzender Sprachen und Glaubensrichtungen unter einem einzigen, toleranten Gesetz regierte. Ein halbes Jahrtausend nach Kyros präsidierten die Sassaniden über einen Hof von solchem Glanz, dass byzantinische Gesandte ihn mit einer Vision des Paradieses verglichen.
Nach der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert — als viele andere antike Kulturen spurlos in der islamischen Zivilisation aufgingen — tat Iran das Gegenteil: Es absorbierte den Islam, gab ihn durch persische Sprache, Wissenschaft und Ästhetik bereichert an die Welt zurück und trat gestärkt und neu definiert, nicht vermindert, aus dieser Begegnung hervor. Die Lingua franca der Hochkultur von Bosnien bis Bengalen für einen Großteil von tausend Jahren war nicht Arabisch — es war Persisch.
Die Geschichte, die diese Seite erzählt, ist keine triumphierende. Iran wurde von Griechen, Arabern, Türken, Mongolen und Afghanen erobert; es verlor Provinzen an Russland und Territorien an Großbritannien; es erlitt Hungersnöte, Revolutionen und einen achtjährigen Krieg, der eine ganze Generation prägte. Was über alle Erschütterungen hinweg Bestand hat, ist eine zivilisatorische Handschrift — im vierteiligen Garten, im Iwan-Gewölbe, im Ghazal des Hafis, im Kalender, den Omar Khayyam auf Sekunden genau berechnete, im Qanat, der kaltes Bergwasser durch die Wüste in die Stadt leitet. Um das moderne Iran zu verstehen, muss man zunächst die Tiefe des Erbes begreifen, das es trägt.